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Natur und so

Hauswurz: Hitze ist kein Problem

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Foto: J. Prinz

Wisst ihr noch? Vor einiger Zeit kaufte ich eine Forellenbegonie, weil die Verkäuferin sagte, dass die nur wenig Pflege benötigt. Davor war es eine Fetthenne – aus ähnlichen Gründen. Im selben Blumenladen erstand ich schon vor längerer Zeit eine bepflanzte Schale für meinen Balkon. Ich weiß nicht, ob die Leute in dem Blumenladen mir irgendwie ansehen, dass ich absolut pflegeleichte Blumen brauche oder ob die nur zufällig immer das Richtige sagen. Als ich nach der Pflege für meine Hauswurz-Schale fragte, sagte die Dame jedenfalls: „Also am besten machen Sie überhaupt nichts.“ Und genau so habe ich es auch gemacht.

Foto: J. Prinz

Damals wusste ich ja noch nicht, dass der wissenschaftliche Name der Hauswurz Sempervivum lautet – was in etwa so viel bedeutet wie „immerlebend“. Aber die Dame im Laden hatte die Pflanzen so sehr als „robust“ angepriesen, dass ich es einfach mal drauf ankommen ließ. Wenn die Pflanzen eingehen, dachte ich, habe ich wenigstens was gelernt. Die gingen aber nicht ein. Im Gegenteil: die Hauswurz in ihrer Schale sieht nicht nur von Anfang an superschön aus. Nein, in diesem Jahr setzt sie nochmal einen oben drauf und blüht!

 

Foto: J. Prinz

 

Ich war ziemlich überrascht. Auf einmal wuchsen aus meiner Schale hohe Pflanzen empor. Soll das so, fragte ich mich? Doch dann tauchten die Blüten auf und alles ergab irgendwie Sinn. Und was für Blüten das sind! Wunderschön und filigran blühen sie in pink und einem hellen Gelb. Und das, obwohl ich im wahrsten Sinne des Wortes überhaupt gar nichts am Pflege gemacht habe.

Mittlerweile weiß ich, dass die verschiedenen Hauswurzarten total genügsam sind. Sie können in Felsspalten wachsen, was ihnen den Namen „Steinrose“ verpasst hat. Hitze, Kälte oder Trockenheit machen ihnen rein gar nichts aus. Im Gegenteil: die Pflanze kann damit so gut umgehen, dass sie für die Dachbegrünung oder als Bepflanzung von Steinmauern eingesetzt wird. Während meine anderen Balkonpflanzen von Karolins Bewässerungssystem profitieren würden, ist der Hauswurz das völlig egal.

Foto: J. Prinz

Ihre einzelnen Rosetten bilden kleine Tochterpflanzen und das ist auch gut so. Denn jede Rosette, die bei mir auf dem Balkon gerade blüht, wird danach leider absterben. Da bin ich irgendwie froh, dass ich noch neue Pflänzchen übrig habe. Ich überlege sogar, ob man die Hauswurz nicht vielleicht auch aus ihrer Schüssel herausholen und an anderen Balkonecken anpflanzen könnte. Die Tochterrosetten einer Pflanze wurzeln angeblich fast von allein und wenn man sie auf ein lockeres Substrat setzt, kann man sie praktisch überall anpflanzen.

Was würdet ihr machen? Eine Steinmauer anlegen? Tongefäße bepflanzen? Mehr Schüsseln aufstellen? Ich überlege jedenfalls noch.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

2 Kommentare

  1. Guten Tag Frau Prinz!

    Lassen Sie die Semper ausblühen und warten Sie, bis die Stiele braun werden. Dann sind auch die Samen reif. Biegen sie den reifen, braunen Samenstand in ein sauberes Glas und brechen Sie ihn dann ab. So verlieren Sie kaum Samen, die allesamt winzig klein sind. Sieht aus wie Staub.

    Sie dürfen die Samen aber nicht einbuddeln, sondern nur oberflächlich auf Anzuchterde streuen. Das sind Lichtkeimer!
    Nehmen Sie ein nicht zu kleines Gefäß, dass Sie später auch nach draußen stellen können – also mit Bodenloch. Es dauert mehrere Monate, bis die kleine Pflanzen so groß sind, dass Sie sie anfassen und umpflanzen können.

    Um das Keimen zu erleichtern, drücken Sie die frisch ausgestreuten Samen leicht an (Löffel). Eine durchsichtige Folie hilft, die Feuchtigkeit zu erhalten. Sie müssen aber 1 x pro Tag lüften, sonst schimmelt das Ganze. Nach dem Lüften wieder mit einer Sprühflasche leicht anfeuchten. Das Keimen beginnt nach etwa einer Woche. Reduzieren Sie nach und nach die Feuchtigkeit und lassen Sie die Folie nach zwei Wochen weg. Täglich ganz leicht einnebeln. Stellen Sie sich vor, Sie sind im Hochgebirge, an einem schattigen Platz.
    Pralle Sonne erst für Pflanzen, die etwa 1 cm messen.

    Grüße!
    Matthias Bräunlich

    • Großartig! Herzlichen Dank für den guten Tipp. Damit kann ich ja jetzt quasi den ganzen Balkon bepflanzen. Und ich bin sicher, dass sich auch viele andere Leute über die gute Erklärung freuen werden.
      Viele Grüße
      Johanna Prinz

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