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Natur und so

Rauch aus dem Nadelbaum: Pollenflug der Zeder

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Foto: J. Prinz

Foto: J. Prinz

Der Vortrag beim Branchentreffen ist eigentlich ganz spannend, aber trotzdem hört keiner richtig zu. Alle gucken nach draußen in den Garten des Hotels. „Brennt es da irgendwo?“, fragt jemand und die Frage scheint berechtigt: durch den Garten wabert eine gelbe Rauch…wolke? Nein, es brennt nicht! Es kam bloß ein bisschen Wind auf. Und das was so aussieht wie Rauch ist in Wirklichkeit, die eindrucksvolle Blüte bzw. der eindrucksvolle Pollenflug eines Nadelbaums. Der fasziniert uns alle so sehr, dass es niemandem seltsam vorkommt, dass ich mal eben aufstehe und Fotos mache.

 

Foto: J. Prinz

Foto: J. Prinz

Sowas habe ich echt noch nie aus der Nähe gesehen. Die riesige gelbe Wolke stammt von einer Zeder und ist ein echtes Naturschauspiel. Im Gegensatz zu anderen Nadelbäumen, die ihren Pollen im Frühjahr verteilen, hat die Zeder den Pollenflug auf den Herbst verlegt. Doch woher kommt der ganze Blütenstaub? Ich muss näher ran, um das zu beurteilen und passe später in der Pause einen windstillen Moment ab. Schließlich will ich nicht völlig eingestaubt zurück nach drinnen flüchten. An den Ästen der Zeder sieht man die männlichen Blüten. Schaut mal auf das Foto ganz oben: was so ein bisschen aussieht, wie Erdnussflips… das sind die männlichen Blüten der Zeder.

Foto: J. Prinz

Foto: J. Prinz

Die weiblichen Blüten sind kleiner und eher eiförmig. Und ja: bei der Zeder wachsen männliche und weibliche Blüten an ein und demselben Baum. Damit der Baum Samen ausbilden kann, muss der Blütenstaub der männlichen Blüten zu den weiblichen gelangen und das geht am besten mit dem Wind – ganz offenbar. Denn ich glaube kaum, dass es in so einem Zedernwald auch nur eine einzige weibliche Blüte gibt, die nichts von dieser enormen Pollenwolke mitgekriegt. In ein bis zwei Jahren haben sich dann richtige Zapfen entwickelt, in denen die Samenkörner sitzen.

Aber soweit sind wir noch nicht. Vorerst sieht der Bestäubungsakt der Zeder noch aus wie ein Wohnungsbrand und lenkt uns alle vom Vortrag ab. Ich bin froh, dass ich hinter Glas stehe, weil es so staubt. Aber auch froh, dass ich so nah dran bin. Als ich genug Fotos gemacht habe, setze ich mich wieder. Fachvorträge sind ja auch nett – auch wenn sie nicht so viel Staub aufwirbeln.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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