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Natur und so

Homologie und Analogie – wo ist der Unterschied?

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Na? Wie viele von euch hätten bei diesem Titel beinahe weggeschaltet? Oder hat jemand vielleicht gerade deswegen draufgeklickt? Wir machen ja viel hier im Blog: wir besprechen Sprichwörter und Balkonpflanzen, schlaue Mimosen und lustige Studien. Und manchmal erklären wir auch Prinzipien wie die Genetik von Panthern oder Blumen. Warum also nicht auch mal ein paar Fachbegriffe in den Mix werfen, dachte ich mir. Sowas wie damals die Brachiation. Neulich fragte mich jemand in einer Schulklassenführung nach Homologie und Analogie. Und weil ich da kurz mal selber überlegen musste, haben wir das Thema heute im Blog.

 

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Homologie: Wal und Mensch

Der Begriff „Homologie“ stammt aus der Evolutionslehre. Ihr erinnert euch? Eine Art kann sich im Laufe der Zeit verändern.  So können aus Vierbeinern irgendwann Wassertiere werden, zum Beispiel Wale. In der Führung neulich, standen wir vor dem Skelett eines Wals und stellten fest, dass sich die Knochen von Wal und Mensch gar nicht so sehr unterscheiden, auch wenn der eine im Wasser lebt und der andere an Land. Trotzdem sind die Knochen in den Vorderextremitäten fast baugleich angeordnet.

 

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An einem Walskelett kann man das Schultergelenk sehen, einen Knochen, der unserem Oberarm entspricht und darunter Elle und Speiche. Selbst die kleinen Knochen, die unser Handwurzelgelenk und die Finger bilden, finden wir beim Wal wieder. Das ist Homologie. Ein gemeinsamer Grundbauplan, obwohl die Funktion sich unterscheiden kann: der Wal schwimmt mit seiner Vorderextremität, wir greifen mit ihr. Offenbar haben Mensch und Wal (beides Säugetiere, die aus Vierbeinern entstanden) irgendwo in der Evolution einen gemeinsamen Vorfahren.

 

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Analogie: Maulwurf und Maulwurfsgrille

Anders sieht es bei Maulwurf und Maulwurfsgrille aus. Beide Tiere leben unterirdisch und graben lange Tunnel, in denen sie ihre Nahrung finden. Also hat sich die Natur offenbar gedacht: es macht Sinn, wenn ein Tier, das Gänge gräbt, auch irgendwelche Grabwerkzeuge am Körper trägt. Im Laufe der Evolution hatten also immer diejenigen Tiere die besten Überlebenschancen, die gute Grabfüße hatten. Das Ergebnis sieht man jetzt sowohl beim Maulwurf als auch bei der Grille: beide haben vergrößerte Vordergliedmaßen.

 

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Ganz so wie beim Wal lässt es sich bei diesen Tieren allerdings nicht hinerklären. Der Maulwurf ist ein Säugetier, die Grille ein Insekt. Die beiden Tierarten haben zwar eine sehr auffällige Gemeinsamkeit, aber keinen gemeinsamen Vorfahren. Sie haben sich völlig unabhängig voneinander entwickelt und zwar deshalb, weil sie in ihrer Umgebung mit ähnlichen Gegebenheiten umgehen mussten. Die Grabschaufeln sind also analoge Organe, die sich aufgrund von Umweltbedingungen entwickelt haben.

Falls euch also mal jemand fragt … homologe Organe haben einen gemeinsamen Grundbauplan und die Arten einen gemeinsamen Vorfahren. Analoge Organe entstehen aufgrund von ähnlichen Umweltbedingungen. (Ein weiteres Beispiel sind die Flügel von Vögeln und Fledermäusen!) Der Prozess des Entstehens heißt bei analogen Organen übrigens Konvergenz. Aber das ist Partywissen.

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Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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Autor: Johanna Prinz

Jahrgang 1978, ist promovierte Diplom-Biologin. Sie war früher Affenforscherin im Zoo, leitete den Bildungsbereich in einem großen Naturkundemuseum und danach ein Nationalpark-Haus am Wattenmeer. Heute arbeitet sie, von ihrer Wahlheimat Lübeck aus, im Bereich „Naturvermittlung“ – vor allem als Museumsberaterin oder Autorin für Kindersachbücher. Manchmal hebt sie Regenwürmer von der Straße auf. Mehr Infos unter: www.naturvermittlung.de

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